Schopenhauer-Buddhismus : Enso
Schopenhauer und Buddhismus

Der Arbeitskreis

Der Arbeitskreis wurde 1985 im Buddhistischen Haus in Berlin-Frohnau von Herbert Becker gegründet. Der unmittelbare Anlaß war ein Vortrag, den dieser dort zum 125. Todestag Schopenhauers hielt. Das Thema hieß: “ Die Erlösungslehre des Buddha und die Lebensphilosophie Schopenhauers”.  Der Vortrag stieß auf unerwartet reges Interesse, so daß sich anschließend lebhafte Diskussionen und sehr intensive Gespräche entwickelten. Zahlreiche Teilnehmer hatten danach den Wunsch, die dort aufgeworfenen Fragen und Probleme im Rahmen eines Arbeitskreises zu vertiefen. Alle waren sich einig, daß es hierbei nicht darum gehen konnte, irgendwelches Bildungswissen zu vermitteln. Der Arbeitskreis sollte kein philosophisches oder indologisches Universitätsseminar sein, sondern sich vielmehr an die Leitworte des Buddha (22. Lehrrede, Mittlere Sammlung) orientieren:

 Wohl aber gibt es verständige Menschen, die sich die Lehre aneig- nen. Nachdem sie sich diese Lehre angeeignet haben, erforschen sie mit Weisheit ihren Sinn. Da sie ihren Sinn mit Weisheit erforschen, gewährt ihnen die Lehre Einsicht. Sie lernen die Lehre nicht etwa nur, um darüber reden und Meinungen äußern zu können, sondern sie begreifen den Zweck, zu dem man die Lehre lernt. Ihnen wird die richtig aufgenom-
mene Lehre für lange Zeit zum Heil und Glück gereichen.

Im Laufe der Jahre wurde es im Arbeitskreis immer deutlicher, daß die Philosophie des “Buddhaisten” Schopenhauer, obwohl sie sich  in mancher Hinsicht durchaus von der Lehre des Buddha unterscheidet, für ein tieferes Verständnis der buddhistischen Lehre von größtem Wert sein kann. Das gilt insbesondere für jene zentralen Bereiche der Lehre, die sich nicht dem rein verstandesmäßigen Denken erschließen (zum Beispiel die buddhistische “Anatta”-Lehre).

So rückte neben der Lehre des Buddha immer mehr auch die Philosophie Schopenhauers in den Mittelpunkt des Arbeitskreises. Hierbei richtete er sich nach den Worten Schopenhauers:

 Die Philosophie muß ... ihre Quelle in der anschaulichen Auf- fassung der Welt haben: auch darf es dabei, so sehr auch der Kopf oben
zu bleiben hat, doch nicht so kaltblütig hergehen, daß nicht am Ende
der ganze Mensch, mit Herz und Kopf, zur Aktion käme und durch und durch erschüttert würde.

Neben seinen eigentlichen Aufgaben beteiligt sich der Arbeitskreis auch an der Arbeit des > Arthur-Schopenhauer-Studienkreises und darüber hinaus
- als Konsequenz aus der Schopenhauerschen und buddhistischen Ethik - an der von  > tierrechte-tv.                           
                                                                                                                     HB
                                                                                     

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