Schopenhauer-Buddhismus : Enso
Schopenhauer und Buddhismus
Georg Grimm

Georg Grimm
(1868-1945)

Georg Grimm

und

Arthur Schopenhauer

Arthur Schopenhauer

ArthurSchopenhauer
(1788-1860)

Es gab wohl keine buddhistische Gemeinschaft im deutschsprachigen Raum, die auf eine derart lange Tradition buddhistischer Lehrverkündigung und Praxis zurückblicken konnte, wie die leider 2002 aufgelöste  Altbuddhistische Gemeinde.  Sie war untrennbar mit einem Namen verbunden: Georg Grimm. Er war der Gründer dieser Gemeinde, die  durch sein Leben und Werk zutiefst geprägt wude. Die geistigen Wurzeln reichen jedoch noch weiter zurück, nämlich bis Arthur Schopenhauer.

So berichtete die Tochter Georg Grimms (“Schwester Maya”):  “Ehevor die Lehre des Siegreich-Vollendeten (des Buddha) in meinem Elternhaus ihren Einzug hielt, war es der Geist eines Mannes, dem meine kindlich-ehrfürchtige Bewunderung galt: Arthur Schopenhauer. Sein Bild hing über dem Schreibtisch meines Vaters, und ich wusste, dass er in ihm seinen grossen Lehrmeister sah. Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, so staune ich über die Virtuosität, mit der es mein Vater verstand, mich, ein siebenjähriges Kind, Schopenhauer lieben zu lehren. Wie oft schilderte er mir während unserer gemeinsamen Spaziergänge an kleinen Beispielen die bedingungslose Wahrheits- liebe dieses Philosophen [...] Er pries mir seine (Schopenhauers) Urteilskraft, seinen Ideenreichtum und die Lauterkeit und Unbestechlichkeit seines Wesens.” (Sonderdruck aus “YANA”, Februar 1973, S. 3).

Auch wenn sich Georg Grimm in seinem Verständnis der buddhistischen Lehre in manchen Punkten von Schopenhauer entfernte, blieb er doch zeitlebens diesem verbunden. In den Werken Georg Grimms finden sich zahlreiche Bezüge zu Schopenhauers Philosophie. Aus ihnen wird deutlich, wie sehr sich Georg Grimm mit der Philosophie Schopenhauers auseinandersetzte und sie der Lehre des Buddha gegenüberstellte. Die Lehre des Buddho, das Grundlagenwerk  Georg Grimms, das zu Lebzeiten des Autors bereits 14 Auflagen erreichte,  enthält hierzu im Anhang ein umfangreiches Kapitel. Trotz des “prinzipiellen” Unterschiedes, die Georg Grimm zwischen der Philosophie Schopenhauers und der Lehre des Buddhas sah, erkannte er - wie er in seinem o. g. Hauptwerk (Löwit: Wiesbaden 1979, Anhang 4., S. 409) erklärte - eine “staunenswerte Übereinstimmung zwischen beiden Großen”, also zwischen Schopenhauer und dem Buddha.

Die Altbuddhistische Gemeinde hiet das  Erbe Georg Grimms lebendig. Das kamt selbstverständlich auch in ihrer Verbundenheit mit Schopenhauer zum Ausdruck. Sichtbares Zeichen hierfür war ihre Mitgliedschaft in der Schopenhauer-Gesellschaft. Als der Verfasser dieser Zeilen 1986 in der Altbuddhistischen Gemeinde einen Vortrag über “Schopenhauer und den Buddhismus”  hielt, war es für ihn tief beeindruckend,  dort eine Gemeinschaft zu finden, in der - ganz im Sinne Georg Grimms - Schopenhauer einen Ehrenplatz einnahm.*
                                                                                                                                           H.B.

* S. dazu ausführlicher  in “einige persönliche Anmerkungen von Herbert Becker” > hier

Wichtiger Hinweis!

Inzwischen liegt eine erheblich erweiterte Fassung zu obigem Thema vor
> Georg Grimm : Vom Christentum über Schopenhauer zum Buddha