Schopenhauer und Buddhismus
Schopenhauer-Buddhismus : Enso

  Buddha und der Weg zur Erlösung

Aus dem Vortrag Einführung in den Buddhismus von Herbert Becker
im Rahmen des “Seniorenprogramms” des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
am 8. November 2013 in Berlin-Grunewald

Buddha

Wir leben in einer Zeit, die wohl stärker und nachhaltiger als je zuvor von tief- greifenden Veränderungen in allen Lebensbereichen bestimmt wird. Vieles von dem, was gestern noch gesicherte Erkenntnis, was allgemein anerkannt war, ist heute schon überholt und vergessen. Deshalb ist die Frage nahe liegend: Kann die buddhistische Lehre, die vor mehr als zwei Jahrtausenden in Indien, also zeitlich und räumlich weit von uns entfernt, entstand, noch irgendwelche Bedeutung haben für unser Leben hier und heute?  Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir uns zunächst dem Leben des Buddha und dann seiner Lehre selbst zuwenden: 

Vor etwa 2500 Jahren wurde einem indischen Fürsten ein Sohn geboren, der den Namen Siddhatta Gotama erhielt. Sein Vater war zwar nur einer von vielen kleinen Königen im alten Indien, aber dennoch unermesslich reich. So konnte der kleine Prinz inmitten von Reichtum und Pracht sorgsam behütet aufwachsen.

Eines Tages, so erzählt eine alte Legende, wurde sein Vater durch einen Traum erschreckt. Er sah seinen Sohn in einem gelben Asketengewand den Palast verlassen.  Der Vater, durch diesen für ihn schrecklichen Traum äußerst entsetzt, versuchte nun alles, damit der Traum nicht Wirklichkeit werden konnte:

Er bot seinem Sohn alle Freuden des Lebens, ließ ihm mehrere Paläste bauen und sorgte dafür, dass dem Prinzen alles Unangenehme ferngehalten wurde. Aber dennoch konnte der Vater seinen Sohn nicht ständig wie in einem goldenen Käfig gefangen halten. Er musste es zulassen, dass der Prinz von Zeit zu Zeit den Palast verließ und bei seinen Ausfahrten das Leben unvermeidlich auch von einer anderen Seite kennen lernte.

In der buddhistischen Überlieferung wird von vier Ausfahrten berichtet, bei denen der Prinz vier Begegnungen hatte, die sein Leben entscheidend veränderten:

Zuerst traf er einen Greis, dessen Körper von 80 Jahren ausgezehrt war. Dann hörte er einen Kranken, der auf der Straße lag und vor Schmerzen schrie. Schließlich sah er einen Leichenzug, der einen Toten umgeben von seinen wehklagenden Verwandten und Freunden zur Verbrennungsstätte brachte.

Bei diesen Begegnungen wurde dem Prinzen sehr deutlich, dass Alter, Krankheit und Tod die wirklichen Kennzeichen des Lebens sind, und er erkannte, dass aller materielle Reichtum, alle weltliche Macht nicht vor Alter, Krankheit und Tod schützen können.

Obwohl er schon seit langem darüber nachdachte, stellte sich ihm nun drängender denn je die Frage: Gibt es einen Ausweg aus dem Leid der Vergänglichkeit?

Als er dann bei seiner vierten Ausfahrt noch einen Wanderasketen traf, der zwar mit zerrissener Kleidung, aber dennoch mit heiterem Gesichtsausdruck seine Nahrung erbettelte, begann er zu ahnen, welchen Weg er künftig gehen müsse.  Er begriff, dass das Leben Leiden ist und von tiefem Mitleid erfüllt, fühlte er in sich den Ruf,  nicht nur sich, sondern alle Wesen vom Leid, ja von der Wiedergeburt in dieser Welt des Leidens zu befreien. Um dieses Ziel zu erreichen, gab er sein bisheriges Leben als Prinz auf und ging als einfacher Pilger auf der Suche nach der Wahrheit.

Er wurde Schüler von den berühmtesten Lehrern seiner Zeit, unterwarf sich härtester Askese - ohne Erfolg. Daraufhin beschloss er, eines Nachts,  während er unter einem Feigenbaum saß, nicht eher mit der Meditation aufzuhören, bis er die Wahrheit in sich selbst gefunden hatte.

Nachdem er dort mehrere Wochen tiefer und tiefer in der Meditation versunken war, erreichte er endlich den Durchbruch zur Wahrheit, zur Erleuchtung. Er erkannte die wahre Ursache allen Leides und fand den Weg, der zur Befreiung von allem Leid führt. Das sind die die sog. Vier Edlen Wahrheiten, der Kern der buddhistischen Lehre.

Bereits in seiner ersten Predigt, der Predigt von Benares, sprach der  Buddha, das heißt der Erleuchtete oder Erwachte, wie der ehemalige Prinz nun genannt wurde,  über die Vier Edlen Wahrheiten.

Seitdem sind mehr als 2500 Jahren vergangen. Der Buddhismus hat sich im Laufe der Zeit den unterschiedlichsten Kulturen und Lebensbedingungen angepasst und sich schon aus diesem Grund in mancher Hinsicht erheblich weiterentwickelt und verändert. Aber dennoch stehen nach wie vor die Vier Edlen Wahrheiten unverändert im Mittelpunkt der buddhistischen Lehre, weil sie die grundlegenden Aussagen über unser Dasein enthalten und über alle kulturellen Grenzen hinweg Gültigkeit haben.

Den Inhalt seiner Lehre und damit  der Vier Eden Wahrheiten hatte der Buddha in einem Satz zusammengefasst:  ”Nur eines verkünde ich, heute wie früher, das Leiden und seine Überwindung.“

In einem Gleichnis erläuterte der Buddha den einzigen Zweck seiner Lehre: “Wie das große Meer nur einen Geschmack hat, den des Salzes, so hat auch diese Lehre nur einen Geschmack - den der Erlösung.”

Die Erste Edle Wahrheit ist die Wahrheit vom Leiden. Sie beginnt mit einer Feststellung, die wohl niemand bestreiten kann:

“Geburt ist leidvoll, Altern ist leidvoll, Krankheit ist leidvoll, Sterben ist leidvoll, mit Unlieben vereint zu sein, ist leidvoll, von Lieben getrennt zu sein, ist leidvoll, und wenn man etwas, das man sich wünscht, nicht erlangt, auch das ist leidvoll.” 

Krankheit und Alter bestimmen früher oder später auch unser Leben, und am Ende steht für jeden von uns unausweichlich und mit absoluter Sicherheit der Tod. Daran hat sich trotz aller medizinischen Fortschritte seit der Zeit des Buddha im Grunde bis heute nichts geändert. Dem Leid der Vergänglichkeit sind und bleiben wir alle unterworfen.

Natürlich gibt es im Leben auch Freude und Glück, aber sie sind - wie alles andere auch - nicht von Dauer und deshalb letztlich mit Leid verbunden. Die Weisen aller Zeiten und Kulturen wussten - wie der Buddha - von der Vergänglichkeit allen irdischen Glücks, aller weltlichen Freuden.

Wer nicht nur sein eigenes Leben und Schicksal  in den Mittelpunkt stellt, wer nicht nur sich selber sieht, wer seine Augen und Ohren nicht vor seiner Umwelt verschließt und sein Herz mitfühlend öffnet für seine Mitmenschen und darüber hinaus - was für den Buddha  charakteristisch war -  auch für Tiere, wird bald erkennen, dass aller Frohsinn, alle Freuden, alles scheinbare Glück auf der Sonnenseite des Lebens, nicht die Tatsache aufwiegen können, dass zur gleichen Zeit auf der Schattenseite unzählige andere Wesen - seien es Menschen oder Tiere - leiden, oft sogar furchtbar leiden müssen. So ist es das Mitgefühl, das Mitleid, durch welches sich in uns die tiefe universelle Wahrheit vom Leiden als eine eigene unmittelbare Erfahrung offenbart. Das ist der Ausgangspunkt, der Schlüssel zum Verständnis der buddhistischen Lehre.

 Hierin liegt aber zugleich die Ursache für ein Missverständnis, das in den westlichen Ländern über den Buddhismus immer noch weit verbreitet ist. So hört man nicht selten die Meinung, dass der Buddhismus tief pessimistisch sei und deshalb die Menschen in der Not und Verzweiflung nicht aufrichten, sondern eher niederdrücken würde. Kaum ein Urteil über den Buddhismus kann so falsch sein wie dieses. Denn die Buddha-Lehre beschränkt sich nicht darauf, das Leid in der Welt zu beschreiben. Viel- mehr zeigt sie den rettenden Ausweg, den Weg zur endgültigen und vollständigen Befreiung vom Leid.

Erlösung vom Leiden ist jedoch nur möglich, wenn dessen Ursache erkannt und beseitigt wird. Was ist die Ursache allen Leides? Antwort auf diese Frage gab der Buddha in seiner Zweiten Edlen Wahrheit. Da - wie die erste Edle Wahrheit besagt - alles Leben leidhaft ist, geht es hierbei zugleich um die Ursache allen Lebens.

Was ist die eigentliche, also nicht bloß biologische, sondern tiefere  Ursache des Lebens?  Die Antwort lautet: Es ist der blinde Lebenstrieb, der in den buddhistischen Schriften auch als Durst  oder als die unersättliche Gier nach Leben bezeichnet wird.

Dieser Lebenstrieb, dieser Drang nach Leben, ist eine Kraft, die selbst mit dem Tod nicht erloschen ist, sondern neue Wiedergeburten und damit immer neue Leiden bewirkt. So heißt es in der Zweiten Edlen Wahrheit, dass das Leiden durch die Gier entsteht, durch den mit Blindheit behaftetem Drang oder Trieb nach Leben, durch den immer neuen Wunsch nach sinnlicher Befriedigung. 

Dieser blinde Lebenstrieb ist auf das engste mit unserem Denken, mit unserem Geist verbunden, wobei alle willentlichen Aktivitäten - im Buddhismus Karma genannt - unseren Geist beeinflussen. Durch unsere Gedanken, Worte und Taten werden wir gewissermaßen geistig programmiert. Entsprechend dieser geistigen Programme sehen wir die Welt, und sie bestimmen unser Schicksal noch über den Tod hinaus, und zwar nach neuen Wiedergeburten.

So hinterlässt jeder gute Gedanke, jedes gute Wort, jede gute Tat in uns eine geistige Spur, die uns prägt. Umgekehrt gilt das natürlich auch für böse Gedanken, Worte und Taten. Wer z. B. absichtlich ein Tier quält oder quälen lässt, der fügt nicht nur dem Tier Leiden zu, sondern er selbst muss früher oder später unausweichlich die Folgen seiner bösen Tat erleiden.

Im Dhammapadam, der ältesten und besonders hoch geschätzten Spruch- sammlung mit buddhistischen Weisheiten, steht:

“Nicht in der Luft, nicht in den Tiefen der Weltmeere, noch in weit entlegener Bergeshöhle gibt es in der Welt einen Ort, wo man der eigenen bösen Tat entrinnen könne.”

Ebenfalls im im Dhammapadam heißt es zu den Folgen guter Taten:

“Den nach langer Abwesenheit aus fernen Ländern glücklich Wiederkehrenden begrüßt, wenn er heimkehrt, die Schar seiner Freunde und Verwandten. So auch empfangen, der recht gehandelt hat, wenn er von dieser Welt in eine andere gelangt (also nach seinem Tode) die  eigenen Taten wie Freunde einen lieben Freund bei dessen Heimkehr.” 

Deshalb werden wir auch alles das, was wir durch unseren Willen je an Gutem oder Bösem gesät haben, in diesem Leben oder nach späteren Wiedergeburten ernten.  In diesem Sinne sind wir die Erben unserer Taten. Das ist das Gesetz des Karmas. Jedoch kann der Zusammenhang von Karma und Wiedergeburt nicht durch bloßes Nachdenken verstanden oder mit naturwissenschaftlichen Methoden bewiesen werden, weil dahinter Erkenntnisse stehen, die ausschließlich auf unmittelbaren spirituellen Erfahrungen beruhen.

Wenn Hass, Gier und Verblendung, in denen sich der blinde Lebensdrang äußert, erloschen sind, dann ist die Ursache des Leides und damit das Leiden selbst überwunden. Das ist die Aussage der Dritten Edlen Wahrheit, der Wahrheit von der Aufhebung des Leidens.

Können wir jedoch Haß, Gier und Verblendung, diese unheilsamen Tendenzen, welche in uns von Geburt an wirken, überwinden? Der Buddha war davon, und zwar auf Grund seiner eigenen Erfahrung, überzeugt. Denn in seinem Erleuchtungserlebnis fand er dazu den Weg, den Edlen Achtfachen Pfad, den er als Vierte Edle Wahrheit nicht bloß verkündete, sondern selbst gegangen war, also vorgelebt hatte.

Der Edle Achtfache Pfad ist ein sog. Mittlerer Weg, weil er Extreme meidet, das bedeutet, dass er selbstquälerische Askese ebenso ausschließt wie unbeherrschtes Ausleben sinnlicher Genüsse. Auch wenn er mühsam und weit sein kann, so ist er doch auf die tatsächlichen Möglichkeiten des Menschen ausgerichtet, denn er ist ein Stufen- weg, der  schrittweise entsprechend der jeweiligen geistig-sittlichen Reife dem Ziel entgegenführt.

Der Edle Achtfache Pfad besteht, wie bereits sein Name andeutet, aus acht Teilen: Rechte Erkenntnis, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb, rechtes Streben, rechte Achtsamkeit und rechte geistige Sammlung.

In einem buddhistischen Text wird berichtet, dass ein Mönch, der dem Buddha besonders nahe stand, wenige Tage nach dem Tode des Buddha gefragt wurde, was der Buddha am meisten pries. Seine Antwort: Die Tugend, die geistige Sammlung oder Meditation und Weisheit - das sind die drei Kennzeichen des buddhistischen Weges, des Edlen Achtfachen Pfades.

Tugend, das ist das Bemühen um rechtes ethisches Verhalten, also rechtes Reden, rechtes Handeln und rechter Lebenserwerb. Hierbei entsprechen die ethischen Regeln im Buddhismus weitgehend denen in anderen Weltreligionen, jedoch mit einigen bedeutsamen Unterschieden. So ist die buddhistische Ethik nicht auf göttlichen Geboten oder Verboten gegründet, sondern sie beruht darauf, dass der Mensch durch eigene Erfahrungen Einsichten in das Gut und Böse seines Handelns gewinnt.

Ein anderer Unterschied, der im Alltag des Buddhisten erhebliche Auswirkungen haben kann, besteht darin, dass im Buddhismus alle Lebewesen als gleichberechtigt, wenn auch nicht als gleich hoch entwickelt anerkannt werden. Das Tier ist der Bruder des Menschen, dessen Leben zu achten und zu schützen ist. Viele Buddhisten vermeiden es deshalb Fleisch zu essen, ja manche leben sogar, was noch konsequenter im Sinne der buddhistischen Achtung allen Lebens ist, vegan.

Selbstverständlich gelten in der buddhistischen Ethik Tätigkeiten als Fleischer, Jäger, Fischer oder  - wie es in den alten Schriften heißt - sonstiges “grausames Handwerk” nicht als rechter Lebenserwerb. Demnach ist auch der Handel mit lebenden Wesen, Fleisch, Waffen, berauschenden Getränken und Giften ausgeschlossen.

Dabei geht es in der buddhistischen Ethik weniger um die Einhaltung formaler Regeln. Vielmehr kommt es auf eine liebevolle Gesinnung, auf Mitgefühl mit allem Lebendigen an. Metta - dieses Wort aus der altindischen Pali-Sprache lässt sich nur unvollkommen mit Güte übersetzen. Zur Metta heißt es in einem buddhistischen Text:

“Alles, was wir in diesem Leben tun können, um unser künftiges Schicksal zu bessern, verschwindet an Wert neben der Güte, der herzerlösenden. Die Güte, die herzerlösende, nimmt alles in sich auf und leuchtet und glänzt und strahlt gleichwie die Sonne, wenn sie am reinen, wolkenlosen Himmel emporsteigt und alles Dunkel vertreibt.”   

Zwischen unserem ethischen Verhalten und unserer geistigen Einstellung besteht ein enger Zusammenhang, und beide beeinflussen sich wechselseitig. So ist es eine alte buddhistische Erfahrung, dass Meditation nur dann einen spirituellen Fortschritt ermöglicht, wenn sie mit einem ensprechenden ethischen Verhalten im Alltag verbunden ist. Meditation ohne ernsthaftes positives ethisches Bemühen kann nicht zur Weisheit führen, wobei Weisheit nach Arthur Schopenhauer “die vollendete, richtige Erkenntniß ... (ist), die den Menschen so völlig durchdrungen hat, dass sie nun auch in seinem Handeln hervortritt, indem sie sein Thun überall leitet”.

Geistige Sammlung oder Meditation ist in der buddhistischen Lehre die methodische spirituelle Schulung und Entwicklung. Sie ist ein umfangreiches und sehr tief gehendes System von geistigen Versenkungsübungen.

Das Wesentliche und das Ergebnis der buddhistischen Meditation kann m. E. kaum besser zum Ausdruck gebracht werden als durch ein Zitat von Schopenhauer, dessen Philosophie dem Buddhismus erstaunlich nahe steht und der sich selbst und seine Anhänger als Buddhaisten bezeichnete:

“Wenn man, ... die gewöhnliche Betrachtung der Dinge fahren läßt, ... auch nicht das abstrakte Denken, die Begriffe der Vernunft, das Bewußtseyn einnehmen läßt, sondern statt alles diesen, die ganze Macht seines Geistes der Anschauung  hingiebt, sich ganz in diese versenkt und das ganze Bewußtseyn ausfüllen läßt durch die ruhige Kontemplation des gerade gegenwärtigen natürlichen Gegenstandes, sei es eine Landschaft, ein Baum, ein Fels, ein Gebäude  oder was auch immer; indem man, nach einer sinnvollen Deutschen Redensart, sich gänzlich in diesen Gegenstand v e r l i e r t , ... so daß es ist, als ob der Gegenstand allein da wäre, ohne Jemanden, der ihn wahrnimmt und man also nicht mehr den Anschauenden von der Anschauung trennen kann, sondern beide Eines geworden sind, indem das ganze Bewußtseyn von einem einzigen anschaulichen Bilde gänzlich gefüllt und eingenommen ist; dann ist ... der in dieser Anschauung Begriffene nicht mehr Individuum: denn das Individuum hat sich eben in solche Anschauung verloren: sondern er ist reines  ... Subjekt der Erkenntniß.”

 Es ist eine solche reine Anschauung, die zu Erkenntnissen führen kann, die dem begrifflichen Denken nicht zugänglich sind und welche die normale Tätigkeit des Verstandes nicht zu vermitteln vermag.

Ganz in diesem Sinne sind die Worte  des großen deutschen Mystikers Jakob Böhme, der Anfang des 17. Jahrhunderts lebte, zu verstehen:

 “Ihr werdet nichts  ... mit Forschen ergründen, die Vernunft muss sein wie tot.”

Nur durch kontemplative Anschauung kommt es zu einer Wahrnehmung höherer Art, die es dem Menschen ermöglicht, seine geistige Blindheit zu überwinden und sich dadurch schließlich vom blinden Trieb, der ihn bisher beherrscht hat, zu lösen. So wird am Ende des buddhistischen Weges Hass, Gier und Verblendung, in denen sich dieser Trieb äußert, überwunden und dadurch etwas gewonnen, was sich jeder Beschreibung mit Begriffen dieser Welt entzieht - das Nirwana.

Für den Buddha war das Nirwana eine unumstößliche, von ihm selbst erfahrene Tatsache. Im Nirwana fand der Buddha, wie er sagte: “die geburtlose, alterslose, todlose, schmerzlose unvergleichliche Sicherheit”.

Alles, was wir als Nichterleuchtete in der Welt wahrnehmen, gehört zum Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen und  ist mithin dem Leid der Vergänglichkeit unterworfen. Jedoch, so sprach der Buddha: 

Es gibt ein Nichtgeborenes, Nichtgewordenes, Nichtgeschaffenes. Deshalb ist ein Ausweg aus dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen zu erkennen.”  Das ist eine Botschaft voller Hoffnung und Trost.
                                                                                                                              hb