Schopenhauer und Buddhismus Schopenhauer-Buddhismus : Enso

Mystik

   Die überraschende Übereinstimmung
   der Mystiker aller Zeiten und Länder
   im innern Sinn und Geist ihrer Lehren,
   sowie in ihrer Handlungsweise,
   bei der großen Verschiedenheit
   ihrer sonstigen Ansichten,
   bezeugt die Wahrheit ihrer Aussagen.
        Schopenhauer-Register, Stichwort Mystik, S. 290.         

Mit diesen Worten faßte Gustav Friedrich Wagner in seinem “Register”
zu Schopenhauers Werken das zusammen, was Schopenhauer nach intensivem Studium der Schriften der Mystiker aller Zeiten und Länder tiefblickend erkannt hatte. Seine Erkenntnis von dem Übereinstimenden in jeder Mystik war der Ausgangspunkt bei der Gründung des Arbeitskreises “Schopenhauer und Buddhismus”. Denn wenn diese Erkenntnis zutreffend ist (und sie ist es!),
dann kann es für ein besseres Verständnis der buddhistischen Lehre durchaus hilfreich sein, auch  solche Texte der Mystik heranzuziehen, die außerhalb des Buddhismus entstanden sind. Das gilt nicht nur für die Schriften indischer, sondern auch abendländischer Mystiker. So stellte der auch für die Religionssoziologie sehr bedeutende Max Weber fest: “Die rein philosophisch unterbaute Mystik des Abendlandes steht ... der asiatischen weitaus am nächsten” ( Max Weber, Religionssoziologie, in: Wirtschaft und Gesellschaft, 5. Aufl. 1985, S. 335).

Die Philosophie Schopenhauers wird bis heute von der akademischen Philosophie weitgehend verschwiegen oder abgelehnt. Dem bloß akademischen, also mehr auf Vernunft beruhenden Philosophieren bleibt Mystik und damit auch
die Metaphysik in der Philosophie Schoenhauers verschlossen. Bestätigung fand daher Schopenhauer weniger bei den Universitätsprofessoren als vielmehr in den Schriften der Mystik - und das war für ihn entscheidend!  Auch in den Texten der christlichen Mystik (z. B. Meister Eckhart und “Theologia deutsch”) entdeckte Schopenhauer viel gemeinsames mit seiner Philosophie. * Auf den folgenden
Seiten werden deshalb auch abendländische Mystiker zu Worte kommen.

Da die Mystiker im christlich beherrschten Mittelalter immer unter dem Verdacht der Ketzerei und damit der Drohung des Feuertodes standen, hatten sie nicht wie Indien die Freiheit das von ihnen Erkannte klar zum Ausdruck bringen.
Bei aller Wertschätzung der abendländischen Mystik gab deshalb Schopenhauer
der indischen Mystik den Vorzug.     
                                                                                                               H.B.

“Mystik” - das Grenzenlose.

Schopenhauer - ein Mystiker ?

Zwischen Mystik und Magie: die Upanischaden

Anm.:

*  Ein Beispiel für Mystik aus dem ostchristlichen Bereich ist das > altrussische Mönchtum.