Schopenhauer-Buddhismus : Enso
Schopenhauer und Buddhismus

Schopenhauer - ein “Reaktionär” ?

Der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, produziert stets die Hölle. Diese Erkenntnis des Philosophen Karl Popper kommentierte Hans  Joachim Störig in seiner “Kleine Weltgeschichte der Philosophie” mit den Worten: “Jeder Versuch, ein totales Konzept der menschlichen Gesellschaft zu entwerfen und zu verwirklichen, muss scheitern und zum Verlust der Freiheit führen.”

Wer sich hinreichend in der Geschichte auskennt, muss diese Zitate bestätigen und damit auch Schopenhauers realistische  Geschichtsauffassung. Hegel, Marx und andere, die glaubten, die Geschichte würde in Richtung auf eine Besserung der Verhältnisse führen, wurden gerade durch das, was im 20. Jahrhundert geschah, furchtbar widerlegt, und zwar weit schlimmer als Schopenhauer es sich wohl vorstellen konnte.

Auf einer Webseite für Historiker war als Spruch des Tages zu lesen: Der rote Faden der Geschichte - eine Blutspur.  Mit einer Blutspur wurde Schopenhauer schon frühzeitig konfrontiert, nämlich während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Frankreich. Zu jener Zeit waren dort die Schrecken der Jakobiner-Herrschaft im Anschluss an die Revolution von 1789 durchaus noch in lebendiger Erinnerung. Auch später musste Schopenhauer, der das Zeitgeschehen sehr genau verfolgte, immer wieder feststellen, dass das Morden in der Geschichte kein Ende nimmt.

Blut floss und fließt in der Geschichte überreichlich im Namen eines vermeint- lichen Fortschritts, der jedoch letztlich immer wieder ausblieb. Gibt es keinen dauerhaften Fortschritt, dann bleibt die Geschichte - trotz aller, mitunter gewaltiger Veränderungen - im Grunde die gleiche. Daher meinte Schopenhauer, dass die Devise der Geschichte lauten müsste: Eadem, sed aliter (Das Gleiche, aber in anderer Form), und er fügte dieser Erkenntnis hinzu, “ Hat Einer den Herodot gelesen, so hat er, in philosophischer Absicht, schon genug Geschichte studirt”.   

Nicht nur solche und ähnliche Äußerungen führten dazu, dass Schopenhauer in den Ruf kam, durch und durch Reaktionär zu sein. Auch sein Entschluss, die Hinter- bliebenen jener Soldaten, die bei der Bekämpfung der Revolution von 1848 gefallen waren, in seinem Testament zu bedenken, trug wesentlich dazu bei, ihn als Reaktionär zu brandmarken.  Hierbei wird zumeist der Anlass verschwiegen, der zu dieser Testaments- bestimmung führte, nämlich die brutale Ermordung von zwei Mitgliedern der Frankfurter Nationalversammlung durch gewalttätige Demonstranten.

Jedoch der entscheidende Grund, warum Schopenhauer in die Philosophie- geschichte als der Reaktionär schlechthin einging, liegt in seiner Philosophie selbst. Für Schopenhauer war “der Gegenstand der Philosophie das Unveränderliche und immerdar Bleibende..., nicht aber Das, was bald so, bald anders ist”. Schopenhauer berief  sich hierbei auf Platon. Er hätte sich auf den Buddha und die Upanischaden berufen können, denn auch den östlichen Weisheitslehren geht es um das Unvergängliche oder - wie es der Buddha  nannte - “Das Nichtgewordene”. Dort ist Befreiung, Erlösung, und dorthin wiesen der Buddha, Schopenhauer und die Mystiker aller Zeiten.
                                                                                                                                 HB
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