Schopenhauer-Buddhismus : Enso
Schopenhauer und Buddhismus

Ist Schopenhauer populär ?

Obige Frage ist sehr einfach zu beantworten, nämlich mit Nein! Schopenhauer ging es überhaupt nicht um Popularität. Der “Beifall der Menge” hatte für ihn, wie er in seinen Werken oftmals betonte, “keinen Wert”. Irgendwelche billige Effekthascherei war ihm völlig fremd. Er legte zwar größten Wert darauf, seine Philosophie verständlich und anschaulich darzustellen, machte aber dabei, was ihren Inhalt betrifft, keine Kompromisse. Abgesehen von seinen “Aphorismen zur Lebensweisheit”, blieb seine Philosophie bis heute in ihrem Kern esoterisch und daher nur einem beschränkten Kreis von besonders Interessierten wirklich verständlich. Wurde jedoch seine Philosophie erst einmal richtig verstanden, so rief sie nicht selten höchste Bewunderung hervor, ja mitunter führte sie zu einer schon fast religiösen Verehrung des Philosophen.

 Mit der buddhistischen Lehre ist das nicht viel anders, denn zwischen dem “Volksbuddhismus” und dem, was der Buddha lehrte, besteht oft ein Unterschied, wie er größer kaum sein könnte. Aber vielleicht muß das so sein: Der Buddhismus ist in seinen Wurzeln eine Philosophie mit sehr tiefen metaphysischen Erkenntnissen. Er ist aber auch eine Religion, und Religion ist, so Schopenhauer, “Metaphysik für das Volk”. Die Religion kann dem Volk das bieten, was einer Philosophie kaum möglich ist, nämlich Mythen, Glauben, Riten, Zeremonien, Anbetung und ähnliche Formen der Andacht.

Der Buddha verglich seine Lehre mit einer Medizin, die dem Menschen, so er diese tatsächlich nimmt, helfen kann. Medizin, die hilft, schmeckt - das kann jeder aus eigener Erfahrung bestätigen - zumeist bitter. Süße Verlockungen hingegen sind zwar wohlschmeckend, haben aber nicht selten bittere Folgen. Der Erlösungsgedanke, der in der Tiefe der Philosophie Schopenhauers wie im Buddhismus enthalten ist, liegt nicht an der Oberfläche und verspricht daher nicht den schnellen Trost, der von manchen anderen Lehren und deren Heilspropheten angeboten wird. Ob solche - mitunter fast marktschreierisch aufgedrängten - Verheißungen den Menschen auf Dauer wirklich helfen, sei dahingestellt.

Popularität ist noch kein Beweis für den geistigen Rang einer Person und die Bedeutung ihres Werkes, die mitunter weit über ihre Zeit hinausreichen kann. Schopenhauer ist hierfür wohl das beste Beipiel: Er mag zwar nicht besonders populär sein, dennoch darf sein Einfluß auf das europäische Geistesleben nicht unterschätzt werden. So hat Arthur Hübscher, langjähriger Präsident der Schopenhauer-Gesellschaft, hierzu in seinem Buch, das - auf Schopenhauer bezogen - den bezeichnenden Titel “ Denker gegen den Strom” trägt, auf die weitreichende Wirkung Schopenhauers hingewiesen. Theodor Fontane und Wilhelm Busch sind hierfür nur zwei von vielen Persönlichkeiten, deren Denken und Werke von Schopenhauer erheblich beeinflußt wurden. Selbst dort, wo Schopenhauers Name nicht erwähnt, ja vielleicht sogar bewußt verschwiegen wird, sind oft deutliche Spuren Schopenhauerscher Philosophie nachzuweisen. 

Die “Edle Wahrheit” von der Leidhaftigkeit dieser Welt ist ein wesentlicher Teil der buddhistischen Lehre und der Philosophie Schopenhauers. Eine solche Aussage ist nicht populär und wird es auch niemals werden. Aber darauf kommt es auch nicht an, denn entscheidend ist allein, ob es eine Wahrheit ist, und zwar unabhängig vom “Beifall der Menge”. Die Philosophie Schopenhauers geht wie die Lehre des Buddha davon aus, daß die Erkenntnis der Wahrheit letztlich erlösend ist. Die Wahrheit allein zählt und nicht das, was die Menschen von ihr halten. Hierzu zitierte Schopenhauer den Kirchenvater Augustinus mit den Worten:

      Man soll nicht für wichtig halten, was die Menschen meinen, sondern was die Wahrheit der Dinge ist.”
      (Schopenhauer, Über die Grundlage der Moral, I., §2)

                                                                                                                       H.B.