Schopenhauer und Buddhismus
Schopenhauer-Buddhismus : Enso

Schopenhauer und der Tierschutz

“Der Anblick jedes Tieres erfreut mich unmittelbar, und mir geht dabei das Herz auf.” Diese Worte Schopenhauers, die aus seinem handschriftlichen Nachlaß überliefert sind, kennzeichnen seine Einstellung zum Tier. So hatte Schopenhauer wie wohl kein anderer bedeutender Philosoph des Abendlandes das Tier in seine Philosophie einbezogen. Für die westliche Philosophie, zutiefst geprägt durch die jüdisch-christliche Tradition und den Rationalismus der Auf- klärung, ist der Mensch das Maß aller Dinge. Das Thema “Tier” ist dort kaum von Bedeutung. Dementsprechend gibt es in der abendländischen Philosophie - wenn überhaupt - nur äußerst selten Philosophen von Rang, die sich für Tiere oder sogar für deren Rechte einsetzen. Diese traurige Tatsache hat seinen Grund:  “Die Rechtlosigkeit der Tiere”, so Schopenhauer, “beruht in der Philosophie auf der angenommenen gänzlichen Verschiedenheit von Mensch und Tier”. Auch  in dieser Hinsicht bedeutet die Philosophie Schopenhauers einen Durchbruch.

Schopenhauer gab dem Tierschutz eine ethische Begründung, die in ihrer metaphysischen Tiefe bis heute unübertroffen ist. Selbst der mit Recht von Tier- schützern hochgeschätzte Albert Schweitzer läßt sich in dieser Hinsicht  nicht mit Schopenhauer vergleichen: Für Albert Schweitzer war Ethik, die “ ins Grenzen- lose erweiterte Verantwortung gegen alles, was lebt”. Schopenhauer hätte einer solchen Formulierung wohl zugestimmt, jedoch nicht versucht, Tierschutz christlich zu motivieren.  Schopenhauer, der sich genaustens in der Bibel auskannte, mußte feststellen, daß sich Tierschutz durch die Bibel nicht begründen läßt. ( S. hierzu ausführlich: “Parerga und Paralipomena”, II, § 178.) Auf die geradezu verzweifelten Bemühungen von christlich orientierten Tierschützern, die Bibel in ihrem Sinne zu interpretieren, soll hier nicht eingegangen werden, weil dabei zu- meist die Grenzen wissenschaftlicher Redlichkeit und seriöser Quellenauslegung weit überschritten werden. 

          Auch Philosophen, die heute für die Tierrechtsbewegung von erheblicher Bedeutung sind ( wie z. B. Peter Singer und Tom Regan), bieten in ihren philosophischen Begründungen keinen Ersatz für die Philosophie Schopenhauers, denn sie versuchen mehr oder weniger, Tierschutz und Tierrechte rational zu begründen. Jedoch Ethik, wo es um ein Verhalten geht, das selbstlos ist und nicht auf Egoismus beruht, entzieht sich jeder rationalen Begründung. “Der Intellekt”, so bemerkte Albert Einstein, “hat ein scharfes Auge für Methoden und Werkzeuge, aber er ist blind gegen Ziele und Werte.”   Blaise Pascal, Philosoph, Mystiker und Mathematiker, sagte es im 17. Jahr- hundert noch deutlicher: “ Das Herz hat Gründe, die die Vernunft nicht kennt.” Leben und Werk Arthur Schopenhauers sind, gerade was Tiere angeht, durch beides gekennzeichnet: Herz und Vernunft.
                                                                                                                                                                              hb
> Magnus Schwantje : Artur Schopenhauer und Tierschutz  

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